Rechtsrheinisch
Paketpost
Postbahnhof mit Bahnsteighalle
An den Gelenkbogenhallen 3


Die Dreigelenkbogenhalle des Postamtes Deutz wurde zwischen 1910–14 errichtet. Die vormals 8-schiffige Halle ist als einziger Gebäudekomplex des Postamtes Deutz 1988 unter Denkmalschutz gestellt worden. Sie diente bisin die 1990er Jahre als eigentliche Post-Bahnhofshalle. Dieses Beispiel gelungener Industriearchitektur wurde 2005 vom niederländischen Architekturbüro OIII sensibel saniert und für die neue Nutzung umgebaut. Seit Januar 2006 wird die Dreigelenkbogenhalle von 24 Interieurmarken aus 7 europäischen Ländern als gemeinsamer Showroom genutzt. Hier können sich die Hersteller aus ihrer eigenen Perspektive präsentieren. Die Design Post ist sicherlich ein gutes Beispiel für die Umwidmung ehemals verkehrstechnisch genutzten Gebäudes. Der auch unter Denkmalschutz Gesichtspunkten gelungene Umbau ist ein Symbol der Veränderungen des Stadtteils Deutz in den letzten Jahrzehnten.
Bauzeit: 1910–14

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Kohlstadt
Gummifädenfabrik
Deutz-Mülheimer-Str. 127–129


1843 am Eigelstein in Köln gegründet wechselte das Unternehmen zuerst nach Niehl und 1864 an die Deutz-Mülheimer Straße in Deutz. Mit der Umgründung in eine Aktiengesellschaft erfolgte der Schritt zum Großbetrieb. Die heutigen Gebäude entstanden 1908 als mehrgeschossige Randbebauung nach Entwurf von Otto Grah. Ein Flügel der Anlage steht unter Denkmalschutz und wird für Künstlerateliers durch den Verein Kunstwerk e.V. genutzt.
Bauzeit: um 1885

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Van der Zypen & Charlier
Waggonfabrik
Mülheimer-Str. 131


1845|46 gegründet, sind von dem bedeutenden Unternehmen heute nur noch wenige, dafür aber sehr bedeutende Gebäude erhalten: die Waggonhallen (1888|um1905), in denen die Schwebebahn (ausgeführt in Wuppertal) erprobt und gebaut wurde und ein Magazinbau von 1909|10 mit einer bemerkenswerten Innenkonstruktion in Stahlbetonbauweise.

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Deutz AG
Gasmotorenfabrik
Mülheimer-Str. 137–147 | 200


1864 gründete Nicolaus August Otto die erste Motorenfabrik der Welt in der Servasgasse und verlagerte das Unternehmen nun zusammen mit Eugen Langen 1867 an die Deutz-Mülheimer-Straße. Von den Anfangsbauten dieser für die Zweite Industrielle Revolution epochalen Fabrik sind nicht erhalten. Die vorhandene Bautengruppe aus der Zeit um 1900 ist jedoch in der heutigen Form noch immer ein monumentales Denkmal des Motorenbaus. Von herausragender Bedeutung ist auch das von Bruno Möhring 1902 entworfene Ausstellungsgebäude.

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Lindgens
Mennige-, Bleiweiß- und Druckfarbenfabrik
Deutz-Mülheimer-Str. 165 | 183


1864 gründete Nicolaus August Otto die erste Motorenfabrik der Welt in der Servasgasse und verlagerte das Unternehmen nun zusammen mit Eugen Langen 1867 an die Deutz-Mülheimer-Straße. Von den Anfangsbauten dieser für die Zweite Industrielle Revolution epochalen Fabrik sind nicht erhalten. Die vorhandene Bautengruppe aus der Zeit um 1900 ist jedoch in der heutigen Form noch immer ein monumentales Denkmal des Motorenbaus. Von herausragender Bedeutung ist auch das von Bruno Möhring 1902 entworfene Ausstellungsgebäude.
Bauzeit: 1950–51
Architekten: Heinrich May

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Druckfarbenfabrik

Bleiweißfabrik
Mülheimer Freiheit
Barockbauten aus der Seidenweberzeit
Mülheimer Freiheit


Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, als Mülheim im Frühjahr 1945 wochenlang an der Frontlinie lag, sind von den barocken Bürgerhäusern der einstigen „Freiheit“ nur noch wenige Zeugnisse erhalten. Nur um die Schifferkirche St. Clemens unterhalb der heutigen Rheinbrücke sowie am nördlichen Ende der „Freiheit“ rings um den Mülhelmia-Brunnen sind noch einige Häuser des 18. und frühen 19. Jahrhunderts erhalten bzw. wurden zumindest im Äußeren wieder aufgebaut.

Als Anfang des 18. Jahrhunderts einige protestantische Kaufmannsfamilien aus Köln in die bergische Hafenstadt Mülheim übersiedelten, wichen sie dem reichsstädtischen Druck, der die Ausübung anderer als der katholischen Religion innerhalb seiner Mauern untersagte und protestantische Kaufleute nur aus ökonomischen Gründen duldete. Das Herzogtum Berg auf dem rechten Rheinufer bemühte sich dagegen nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges um den Wiederaufbau und die Vermehrung der Bevölkerung und hieß die wirtschaftlich und verwandtschaftlich eng vernetzen, regen Händlerfamilien willkommen. Innerhalb weniger Generationen wurde Mülheim so zu einer der prosperierenden rheinischen Textilstädte mit einer neuen Oberschicht wohlhabender und zugleich wohltätiger Bürger.

Führend in Mülheim war die Familie Andreae, die es durch das Verlagswesen, also die dezentrale Produktion insbesondere von Samtstoffen bei zentralem Ein- und Verkauf durch einen „Verleger“, zu stattlichem Wohlstand brachten. Im späten 18. und das 19. Jahrhundert hindurch investierten sie und gleichgesinnte, meist verwandte Familien auch in neue Unternehmungen im Bergischen Land oder an den Rändern der Eifel, wo sie zugleich Landsitze einrichteten. Hier, etwa in Schlebusch, Dellbrück oder Sinzig, finden sich heute mehr Zeugnisse dieser Familie als in Mülheim selbst.

Auch die katastrophale Zerstörung der Stadt im Jahre 1784 durch ein Eishochwasser konnte die wirtschaftliche Blüte nicht beenden. Vielmehr ließ sie in der Folge ein besonders einheitliches Stadtbild entstehen, das in mehreren Schritten – erst durch Neubauten der Gründerzeit, dann durch die massiven Abbrüche beim Bau der Mülheimer Brücke (1927-29) und schließlich im Zweiten Weltkrieg weitgehend zugrunde ging.
Obwohl mit der fortschreitenden Mechanisierung der Textilindustrie auch eigene Fabriken angelegt wurden, und in Mülheim eine angesehene Webschule eingerichtet wurde, konnten die Mülheimer Textilindustriellen nach 1870 insbesondere der niederrheinischen Konkurrenz nicht mehr standhalten. In Mülheim gewannen von Köln ausgehend andere Industriezweige wie Maschinenbau, Farb- und Kabelindustrie die zentrale Rolle, die letztlich zur Eingemeindung der Stadt und weiter Teile des Umlandes nach Köln im Jahre 1914 führten.

Das eindrucksvollste Ensemble spätbarocker, wenn auch teils stark erneuerter Kaufmannshäuser findet sich am Nordende der „Freiheit“. Unterhalb der „Krahnenburg“ an der Krahnenstraße, dem ehemaligen Standort des Rheinkrans, befinden sich noch alte Lagerkeller. Auf der Fortsetzung des Hochufers entstanden seit etwa 1870 die von der Düsseldorfer Straße aus erschlossenen Villen der Mülheimer Unternehmer, von denen ebenfalls nur wenige den Zweiten Weltkrieg überstanden.
Das wichtigste Zeugnis der Köln-Mülheimer Seidenindustrie liegt etwas abseits der Mülheimer Freiheit in der Wallstraße 56.
Das Haus wurde um 1776 erbaut. Architekt ist vermutlich Johann Georg Leydel. Das Haus wurde errichtet für Carl Friedrich Bräunlich, den Betriebsleiter der von Christoph Andrea seit 1773 neu errichteten Samt- und Seidenfabrik.

Christoph Andreae war eine der großen Unternehmerpersöhnlichkeiten im Rheinland vor der Industriellen Revolution. Er beschäftigte ca. 1500 Weber hauptsächlich in der Heimarbeit. Zusätzlich gab es die Samt- und Seidenfabrik mit 44 Samtwebstühlen, Wallstraße 88-90 und die Färberei, Wallstraße 30–34. Beide Anlagen sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die Bedeutung der Familie Andrea ist in Westdeutschland vergleichbar mit den Scheiblers in Monschau und Krefeld, den von der Leyens in Krefeld, den Clermonts in Aachen und Vaals. Von den Produktionsanlagen sind in Mülheim keine Reste erhalten geblieben. Das für den Betriebsleiter der Andreae’schen Fabriken Carl Freidrich Bräunlich errichtete Wohnhaus Wallstraße 56 ist insofern das einzige vollständig erhaltene Baudenkmal, das in Mülheim die Erinnerung an die Tätigkeit dieser Kaufmanns- und Unternehmerfamilie lebendig halten kann.

Architekt der Familie Andreae wurde der seit 1765 in Mülheim Fuß fassende Johann Georg Leydel. Leydel errichtete bis zu seinem Tod 1785 neben den Bauten für Andreae auch fast alle architektonisch bemerkenswerten Bürgerhäuser in Mülheim, führte seit 1766 den Titel eines Stadtbaumeisters und plante Anlage und Bebauung der Wallstraße. Leydel gehörte zu den wichtigen Barockbaumeistern des Rheinlandes.
E-Werk Mülheim
Kohlekraftwerk
Schanzenstr. 33


In Nachbarschaft des 1873 hierher verlegten Mülheimer Gaswerks wurde 1904|5 ein Elektrizitätswerk für die Stadt Mülheim errichtet. Der zweischiffige Halle ist ein niedriger Anbau vorgelagert. Ein Turm mit welscher Haube, der einen Wasserbehälter birgt, vermittelte zu den ursprünglich in Straßenflucht anschließenden Häusern. Die beiden Giebel zur Schanzenstraße sind im Wechsel von sichtbarem Backstein und verputzten Flächen als gotisierende Industriearchitektur ausgeführt. Große Rundfenster durchbrechen die Giebel, die unsaniert noch etwas von der industriellen Patina bewahrt haben. Während an der stadtseitigen Flanke noch eine Blendengliederung angelegt wurde, sind Rück- und abgewandte Seitenfront völlig schlicht. Der Innenraum der zweischiffigen Halle ist an zwei Seiten von Emporen umgeben. Seit den 30er Jahren außer Betrieb und als Lager genutzt, wurde der Bau Mitte der 80er Jahre für Musikveranstaltungen umgebaut und trägt den Namen E-Werk.
Bauzeit: 1904|5

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Martin & Pagenstecher
Schamottsteinfabrik
Schanzenstr. 21 | 23


Nach der Stillegung der 1873 gegründeten Schamottsteinfabrik wurden die Betriebsgebäude durch unterschiedlichste Nutzer belegt. Die zweigeschossige Ofenhalle der 20er Jahre mit ihrer dreischiffigen, expressionistisch anmutenden Betonbinderkonstruktion nahm eine freikirchliche Gemeinde mit Versammlungsraum und andere Einrichtungen bis hin zur Kindertagesstätte auf. Heute ist die Ofenhalle ein Bürogebäude. Der anschließende Siloturm aus den 50er Jahren wurde nach dem Umbau durch den Architekten Reinhard Angelis etagenweise vermietet; in das oberste, überhöhte ehemalige Maschinengeschoß mit Verglasung der Längsseiten und einer Metallbühne zog das Atelier des betreuenden Architekten ein. Als "Roter Turm" ist das Silogebäude zum markanten Mittelpunkt des umgenutzten Gewerbeareals geworden.
Bauzeit: 1925|26; 1956|57; ab 1990

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Felten & Guillieaume
Kabel- und Drahtwerk
Schanzenstr. 22–30


Das 1873 gegründete, heute in vier Betriebsareale unterteilte, einst riesige Kabelwerk Felten & Guilleaume weist zahlreiche bemerkenswerte Bauten auf. Die Reihe der Verwaltungsgebäude an der Schanzenstraße wird unterbrochen von zwei mehrstöckigen Produktionsbauten, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstanden und später aufgestockt wurden. Die weitgehend ornamentlosen, aber stark plastisch gegliederten Fassaden verweisen auf die Repräsentationsabsicht der Bauherren. Die bis in die Anfänge des Werks zurückreichenden, ein- und mehrgeschossigen schlichten Backstein-Werksgebäude, teils mit hölzernem Ausbau, werden schrittweise, wie gegenüber dem E-Werk, anderen Nutzungen zugeführt.

Weitere Informationen finden Sie hier: Felten & Guilleaume
Felten & Guilleaume
Werkssiedlung
Zehntstr. 18–42 | Bergisch-Gladbacher-Str. 115ff


Als Franz Carl Guilleaume 1873|74 östlich der damals noch selbständigen Kreisstadt Mülheim die ersten Bauten des nach ihm benannten Carlswerks errichten ließ, legte er damit den Grundstein für eines der zeitweise größten Kölner Industrieunternehmen mit Weltruf. Bisher hatte die Familie Guilleaume im Kölner Severinsviertel und zeitweise in Lind (östlich von Porz) Seilerwaren und zunehmend auch Drahtseile und andere Drahtprodukte hergestellt. Das Mülheimer Werk sollte vor allem der daraus hervorgegangenen Produktion von Telegrafen- und Stromkabeln dienen, die von der aufstrebenden Elektroindustrie benötigt wurden.

Zunächst errichtete das Unternehmen, wohl für mitgebrachtes Personal, zehn Einzelhäuser für Mitarbeiter und ihre Familien in der Zehntstraße, die damals noch die Bergisch Gladbacher mit der Schanzenstraße verband und die östliche Grenze des Werksgeländes bildete. Später wurde sie bis auf das Stück zwischen Bergisch Gladbacher und Holweider Strasse in das Werksgelände einbezogen. In dem verbleibenden Stück steht heute noch eine Zeile eineinhalbgeschossiger Reihenhäuser, die als „Meisterhäuser“ bekannt sind. Mehrgeschossige Arbeiterwohnhäuser mit schlichten Backsteinfassaden entstanden auch an der Holweider Straße und der Keupstraße.

Für ihre Arbeiter und Angestellten schuf die Firma eine Vielzahl als vorbildlich erachteter Sozial- und Versorgungseinrichtungen, von der Krankenkasse über Werksbücherei, Konsumanstalt und Nähschule bis zum Werkskindergarten, der durch katholische Vinzenzschwestern betreut wurde. Sie reihte sich damit in die zahlreichen in Mülheim durch katholische und protestantische Mäzene aus dem bürgerlichen Unternehmertum gegründeten Sozial- und Wohlfahrtseinrichtungen ein.

Während in der Anfangszeit viele Arbeiter aus dem ländlichen Umfeld stammten und dort über eigene Häuser verfügten, musste vor allem die schnell wachsende Arbeiterschaft untergebracht werden; 1883 wurde die Tausend überschritten, und vor dem Ersten Weltkrieg waren über 6000 Arbeiter für das Unternehmen tätig. Später unterstützte das Unternehmen gemeinnütziger Wohnungsbauvorhaben; so entstanden Arbeitersiedlungen, wie die Siedlung „Am Emberg“ (Müller-Erkelenz, 1920) sowie, in Zusammenarbeit mit der GAG, die kürzlich abgebrochene Carlswerksiedlung in Buchheim. Die Firma förderte auch die weiter östlich errichteten Gartensiedlungen.
Dellbrück
Walther.: Waltherstr. 49–51
Straßenbahnmuseum: Otto-Kayser-Str. 2 | Im Eichenforst 172
Radium: Hatzfeldstr. | Grafenmühlenweg


Bis zur Eingemeindung nach Köln zum 1. April 1914 gehörte Dellbrück zum bergischen Landkreis Mülheim. Die in ausgedehnte Wald- und karge Heidegebiete eingebettete Region am Rande der Kölner Bucht besaß bis dahin nur geringe wirtschaftliche Bedeutung; bedeutend waren vor allem die Mühlen und Gutshöfe entlang der Strunde. 1842 löste die neue, von Mülheim ausgehende Bergisch Gladbacher Straße die Alte Wipperführter Straße als Überlandverbindung ab; an ihrer Kreuzung liegt die ehemalige Poststation mit Namen Dellbrück.

Unter diesem Namen, den seit 1870 auch die Eisenbahnstation trug, wurden im Jahre 1904 die alten Ortschaften Thurn, Strunden und Hagedorn zusammengelegt. Die 1878 als Kapelle begonnene Kirche St. Joseph in Thurn, 1898 zum Mittelpunkt einer neuen Pfarre erhoben, wurde ebenfalls 1904 durch Langhaus und Turm vollendet. Der gleichzeitige Bau der elektrischen Kleinbahn Köln-Bergisch Gladbach (heute nur noch bis Thielenbruch) gab den Anstoß zum Bau des Villenstadtteils Thielenbruch, in dem sich vor allem wohlhabende Kölner Angestellte und Kaufleute ansiedelten.

Die schon in den 1870er Jahren auf Drängen der Bergisch Gladbacher und Bensberger Industrie angelegte Bahnstrecke wurde um 1905 kreuzungsfrei ausgebaut, der Bahnhof erweitert. In seinem Umfeld siedelten sich größere Unternehmen an, die Chemische Fabrik Traine und Hellmers, deren Beamtenwohnhaus erhalten ist, die aus Mülheim hierher verlagerte Fabrik für feuerfeste Steine Möhl & Co, die Firma Walther & Cie aus Kalk und die Kölner Marmorwerke (Wings & Iltgen), die zu den bedeutendsten Unternehmen ihrer Art im weiten Umland gehörte.

Weitere Informationen finden Sie hier: Dellbrück
Blauer Hof
Gemeinnütziger Wohnungsbau
Heideberger Str. | Dortmunder Str.


Der Blaue Hof war das erste Bauvorhaben, das die GAG auf dem im Jahre 1926 erworbenen "Kalkerfeld" durchführte. Der eigentliche Blaue Hof wird begrenzt von der Kasseler Str., der Dortmunder Str., der Hertzstr. und der Waldecker Str. Ergänzt wird die Siedlung durch einen weiteren, südlich gelegenen Hof, der an die Heidelberger Str. grenzt.

Durch die auf der Heidelberger Straße verlaufende Straßenbahnverbindung nach Mülheim oder Köln und nach Bergisch-Gladbach war die Siedlung wie das gesamte Kalkerfeld von Anfang an gut angebunden. Die Versorgung der Bewohner wurde durch von Anfang an geplante und errichtete Ladenlokale sichergestellt.
Der Zugang zu der im Inneren gelegenen Grünfläche erfolgte durch einen von markanten Eckbauten gesäumten Eingang an der Kasseler Straße. Die allgemein zugängliche Grünfläche, die der Erholung der Bewohner diente, lag etwas tiefer als die Trockenflächen direkt an den Häusern und war durch eine Böschung und Zäune von diesen getrennt.

Die Architekten Wilhelm Riphahn und Caspar Maria Grod, die gemeinsam für die Planungen und den Bau verantwortlich waren, errichteten den Komplex im " Internationalen Stil". Beide Architekten führten auch gemeinsam die Gesamtplanung für das "Kalkerfeld" durch. Dabei ermöglichten sie durch Ausrichtung des Baublocks in Nord-Süd-Richtung optimale Belichtung und durch die große Grünfläche im Inneren gute Durchlüftung und hohen Erholungswert für die Siedlung. Bei der farblichen Gestaltung wirkte der konstruktivistische Kölner Maler Heinrich Hoerle mit.

Für jede Wohnung war eine Loggia vorgesehen. Alle Wohnungen hatten eigene Toiletten und die größeren wurden mit einem Bad ausgestattet. Die Siedlung wurde ursprünglich für ärmere, kinderreiche Familien gebaut, die dem Bau der Mülheimer Brücke weichen mussten. Durch den geräumigen Innenhof und die Loggien zu jeder Wohnung waren diese lichterfüllt und luftig. Die Bevölkerung sollte gesunde Wohnungen mit Zugang zur Natur erhalten.

Die seit 1988 als Baudenkmal eingetragene Siedlung wurde zwischen Juni 2006 und April 2010 komplett saniert. Dabei wurde der Wohnraum den heutigen Anforderungen angepasst. Alle Wohngebäude erhielten neue Flachdächer, eine 6 cm starke Wärmedämmung und Heizungen die bis dato nicht vorhanden waren. Die straßenseitigen Fassaden erhielten einen weißen Anstrich, zudem wurden rote Sprossenfenster verwendet. Die zum Innenhof liegenden Fassaden wurde in zwei verschiedenen Blautönen gestaltet – dort wurden weiße Sprossenfenster verwendet. Mit diesen Maßnahmen wurde das Siedlungsbild dem Ursprungsplanungsstand des Jahres 1926 angeglichen.

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ACLA
Kolben & Riemenfabrik
Heidelberger Str. | Frankfurter Str.


Die schon 1829 van Abraham Cahen-Leudersdorff, Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Mülheim am Rhein, gegründete Lederfabrik siedelte sich um 1900 auf einem Gelände an der Frankfurter Straße mit einer Erweiterung an; Haupterzeugnis des Unternehmens waren zu dieser Zeit Ledertreibriemen für die Transmissionsanlagen der Fabriken. In Ergänzung zu den ersten Bauten entstand 1922|23 die schon während des Ersten Weltkriegs projektierte "Kolben- und Riemenfabrik" des Architekten Hans Erberich. Obwohl im Innern dreigeschossig, ist der Bau im Äußeren als langgestreckte Halle mit Sockel und vertikal betonten Fensterreihen gestaltet. Im Sockelbereich ist in Backstein eine Quaderung angelegt, die mit einer angedeuteten Betonplatte abgeschlossen wird. Der Hauptteil der Fassade ist mit den Mitteln des Backsteinbaus plastisch bereichert: abgestufte Gewände und Rahmen gliedern die Flächen, deren endlose Fensterreihen an klassische Tempelbauten erinnern. Erberich als einer der ambitioniertesten Industriearchitekten seiner Zeit versucht die monumentale Gestaltung des Industriebaus mit einfachsten Mitteln zu erreichen.
Bauzeit: 1922–23
Architekt: Hans Erberich

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Weiße Stadt
Gemeinnütziger Wohnungsbau
Heideberger Str. | Cusanusstr.


1926 erwarb die Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau (GAG) das sogenannte Kalkerfeld zwischen Buchheim und Kalk. Nach dem Blauen Hof (1926|27) entstand südlich der Heidelberger Straße von 1929 bis 1932 die Weiße Stadt, ebenfalls nach Plänen der Kölner Architekten Wilhelm Riphahn und Caspar Maria Grod. 1932 erfolgte auch die Benennung des gesamten Siedlungsgebietes als Buchforst.

Die „Weiße Stadt“ besteht aus Einfamilien-Reihenhäusern (am südlichen Rand) sowie etwa rechtwinklig zur Hauptstraße gelegene fünfgeschossigen Mietshauszeilen mit insgesamt 600 Wohneinheiten. Die parallelen Zeilen sind in kurzen Abschnitten gestaffelt und besitzen große Balkone, Dachterrassen und Flachdächer. Zur Heidelberger Straße hin schließen eingeschossige Ladenlokale an.

Die Katholische Pfarrkirche St. Petrus Canisius an der Ecke Cusanusstraße/Voltastraße wurde 1930/31 von den Architekten Wilhelm Riphahn und Carl Maria Grod als Teil der Weißen Stadt erbaut. Sie ist die einzige Kirche in Köln im Bauhausstil. In den Jahren 1942 bis 1944 wurde die Kirche zerstört. Den Wiederaufbau leiteten 1948 die Architekten Professor Dominikus und sein Sohn Gottfried Böhm. Die Innenraumausstattung wurde Anfang der 1990er-Jahre durch Maria Schwarz neu gestaltet.

Zur Behebung baulicher Probleme wurden einige der gewagtesten architektonischen Details entschärft; zudem erhielt die Siedlung eine Außenisolierung, die die ursprüngliche „Scharfkantigkeit“ und Klarheit der Volumen zurücknimmt. Trotzdem stellt die „Weiße Stadt“ in architektonischer Hinsicht den Höhepunkt avantgardistischen Siedlungsbaus in Köln dar, der entsprechend im nationalen Vergleich hervorgehoben wurde. Politisch und ästhetisch konservative Kreise setzten dieser Strömung jedoch alsbald – begünstigt durch die ökonomischen Einschränkungen aufgrund der Weltwirtschaftskrise – erfolgreich ein völkisch begründetes Siedlerideal entgegen.
Germaniasiedlung
Gemeinnütziger Wohnungsbau
Frankfurter Str. | Fuldaer Str.


Weil der von Eisenbahnstrecken umschlossene Stadtteil Kalk nach dem Ersten Weltkrieg keine Bauflächen mehr bot, wich die GAG für ihre Neubauten auf ein Gelände östlich des Viertels zwischen Eisenbahn und der Frankfurter Straße aus. Hier befand sich im späten 19. Jahrhundert ein Hüttenwerk mit dem Namen „Germania“, das der Straße parallel zur Eisenbahn und später auch der Siedlung den Namen gab.

Im Jahre 1913 war von der Stadt Köln sowie einer Reihe der bekanntesten Kölner Unternehmer die Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau, kurz GAG, gegründet worden. Als nach dem Ersten Weltkrieg die ersten Siedlungen im Rechtsrheinischen entstanden, gehörte auch die Germaniasiedlung dazu. In mehreren unabhängigen Bauabschnitten, entworfen durch namhafte Kölner Architekten, entstanden zwischen 1919 und 1928 insgesamt 1400 Wohnungen. Auch experimentelle Bauverfahren kamen zur Anwendung; so wurden die Einfamilienhäuser entlang der Germaniastraße in dem von dem Bremer Bauunternehmer Paul Kossel entwickelten preiswerten Schüttbetonverfahren erstellt.

Insgesamt gilt die Siedlung baugeschichtlich als so bedeutend, dass sie im Jahr 2000 größtenteils unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der langen Bauzeit und der Vielzahl der beteiligten Architekten verdankt die Germaniasiedlung ihre architektonische Besonderheit: Die verschiedensten Baustile der Weimarer Republik finden sich hier vereint zu einem Gesamtwerk, das schon damals als vorbildlich für den städtischen Wohnungsbau galt.

Wie Menschen in der Siedlung früher wohnten, kann man in einer Museumswohnung erfahren, die von der GAG und dem Kölnischen Stadtmuseum im Paul-Schwellenbach-Haus gestaltet wurde. Mit einer originalgetreuen Einrichtung ausgestattet, bietet sie einen Einblick in das Alltagsleben der Menschen in den 20er Jahren. Ausgestellt sind außerdem historische Karten, Pläne und alte Fotos, die zeigen, wie die Germaniasiedlung vor fast 90 Jahren ausgesehen hat.
Sünner
Brauerei
Kalker Hauptstr. 260


1830 an der Deutzer Freiheit gegründet wurde die Brauerei Sünner 1860 auf das Gelände der ehemaligen Braunkohlenzeche Neu-Deutz (1856|57) verlegt. Die seither so genannte Zechenbrauerei besteht heute aus denkmalwerten Gebäuden aus der Zeit um 1890 und 1906|07. Auf dem Firmengelände ist noch der Schacht der Braunkohlenzeche erhalten. Er dient zur Versorgung der Brauerei mit Brauwasser. Besonders herausragendes Objekt im Denkmalbestand ist eine Dampfmaschine von im Sudhaus. Die Anlage wird noch heute als Brauerei genutzt.

Weitere Informationen finden Sie hier: Zechbrauerei Sünner
CFK
Chemische Fabrik
Kalker Hauptstr. 55


Das Unternehmen wurde 1958 unter dem Namen Vorster & Grüneberg gegründet. Über Jahrzehnte hinweg waren die Hauptprodukte Kalisalpeter und Düngemittel. Nebenprodukt war Soda als Grundstoff für die Glas- und Seifenfabrikation. Aus bescheidenen Anfängen mit 10 Arbeitern wuchs ein Betrieb mit ca. 800 Beschäftigten 1914 und etwa 1500 Beschäftigten 1939. Anfang der 1960er Jahre war der Höchststand mit rund 2000 Beschäftigten erreicht. Nach Einstellung der Produktion 1994 wurde das 35 ha große Gelände an die im Eigentum der Stadtsparkasse befindliche GSE Grundstücksentwicklungsgesellschaft verkauft. Aus einem städtebaulichen Wettbewerb zur Neuentwicklung des Geländes ging das Büro 3Pass Architekten siegreich hervor. Um einen zentralen Platz am Wasserturm sollte eine Mischung aus Wohnungen, Büros, Großkino und Läden mit einem Bürgerpark entstehen. Nur teilweise wurde dieses Konzept umgesetzt. Wesentliche Bestandteile der realisierten Planung sind das Polizeipräsidium, das Coloneum als Science Centre und die KölnArcaden.

In dem 27.000 m2 großen Einkaufszentrum KölnArcaden steht eingebunden in das Parkhaus als einziges erhaltenes bauliches Zeugnis der Chemischen Fabrik Kalk der 1904 erbaute Wasserturm. Der 42 Meter hohe Turm entstand nach einer Planung der Düsseldorfer AG für Eisen- und Ofenbau Alphons Custodis. Der sich nach oben verjüngende Turmschaft mit fünf Reihen Rundbogenfenstern trägt einen umkleideten Intze-Behälter mit einem Fassungsgehalt von 250 m3. 2004 wurde der Turm saniert. Nachdem Überlegungen für eine intensivere Nutzung des Turmes erfolglos verliefen, wurde auf Erdgeschoßniveau im Turm eine aus dem Bestand der Chemischen Fabrik Kalk stammende Schalttafel aufgestellt. Turm und Schalttafel sind Teil des Kalker Geschichtspfades, auf dem aufwendig restaurierte historische Technikobjekte von Kalker Firmen präsentiert werden.

Weitere Informationen finden Sie hier: Chemiefabrik Kalk
Humboldt
Maschinenfabrik
Sieversstr. 308 | Dillenburger Str. 63 | Christian-Sünner Str. 8


Das 1003 erstmals erwähnte als Kalka oder Calke(Kolk = Sumpf) war jahrhundertelang nur eine bescheidene Ansiedlung einiger weniger Bauernhöfe auf einer Bodenerhebung etwa dort, wo etwas abseits der alten Ost-West Fernstraße (heute Kalker Hauptstraße) später die Kath. Pfarrkirche St. Josef erbaut wurde. Auch ein 1423 im Anschluss an eine pestartig wütende Epidemie aufgestelltes Marienbild mit nachfolgender und besonders nach einem Kapellenbau 1666|67 belebten Wallfahrt konnte eine bauliche Entwicklung des Ortes nicht beflügeln. 1815 zählte Kalk 59 Einwohner und selbst zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Ort 1856 erst 968 Einwohner. In diesen Jahren um 1850 jedoch gab es nach der Gründung von Ziegeleien die ersten industriellen Ansiedlungen und die Einbeziehung von Kalk zusammen mit Poll und Vingst in eine Landbürgermeisterei Deutz.

Kalk wuchs mit der 1857 gegründeten „Maschinenfabrik für den Bergbau von Sievers & Co.“ später Humboldt zur Industriestadt und Humboldt bildete darin eine eigene Fabrikstadt. Davon erhalten sind:
Maschinenbau Hallen 75–77,
Spezialgießerei mit Montagehallen für Aufbereitungsanlagen Hallen 70 | 71,
Mechanische Werkstatt und Kupferschmiede Hallen 59 | 60,
Pumpen- | Schlepperbau Hallen 54 und 100.


Weitere Informationen finden Sie hier: Maschinenfabrik Humboldt
Hagen
Akkumulatorenfabrik
Rolshover Str. 87–91


Unmittelbar an der Rolshover Straße steht der um 1890 entstandene, dreigeschossige Werkstattbau, dessen Außenfassade durch Wechsel von rotem und gelbem Ziegel sowie Ornamentfliesen gestaltet ist. Der Bau ist ebenso umgenutzt wie der mehrgeschossige Hofbau um 1905 mit seinem neubarocken Eckportal. Am anderen Ende des im übrigen sanierten Geländes der ehemaligen Batteriefabrik hat sich ein wohl um 1910 entstandenes Fabrikgebäude mit Tordurchfahrt erhalten. Das einst offene, hallenartige Innere dieses Baus wurde in verschiedene, um einen von Galerien durchzogene Mittelzone gruppierte Arbeitsräume unterteilt. Änderungen der Fassade wurden bewußt als moderne Eingriffe vorgenommen.

Weitere Informationen finden Sie hier: Akkumulatorenfabrik
Porz
Hafen Zündorf Adelenhütte: Enggasse | Marktstraße
Glashütte Germania: Germaniastr. | Glasstraße
Dielektra: Kaiserstr. 127
Museum Deutz AG: Ottostr. 1
Porz hatte schon im Mittelalter als Gerichts- und Amtssitz eine hohe Bedeutung. Durch die hier aus der Umgebung zusammenführenden Straßen, besonders aber durch den Naturhafen in Zündorf hatte der Ort eine hohe Verkehrsgunst. Der Zündorfer Hafen entwickelte sich unter Umgehung des Kölner Stapels zu einem wichtigen Umschlagplatz für den Rheinhandel, besonders für Wein. Eine weitere Bedeutungssteigerung brachte das den Ort berührende Eisenbahnnetz: 1862 Deutz – Siegen, 1871 Frankfurt – Bonn/Beuel – Köln mit Bahnhöfen in Porz-Urbach und Wahn und 1910 die Strecke Köln – Overath (Aggertalbahn). Das war die Grundlage für eine rege Industrialisierung. 1874 wurde am Rhein die Adelenhütte gegründet. Unter den Porzer Industriebetrieben ragen weiter hervor die 1903 gegründete Spiegelglashütte Germania mit einer der schönsten Arbeitersiedlungen des Rheinlandes, 1910 die Isolatorenfabrik Meirowsky AG später Dielektra, 1912 die Kalker Trieurfabrik, 1927 die Rheinische Ziehglas-Aktiengesellschaft. 1951 wurde die Großgemeinde Porz mit den Bürgermeistereien Heumar und Wahn zur Stadt erhoben. Doch schon 1975 folgte die Eingemeindung nach Köln.

Weitere Informationen finden Sie hier: Dielektra